Die Botschaft des Lebens

Hey!“

Nun mach‘ schon, sonst erwischen die uns noch!“

Bartholomäus schiebt Thaddäus vor sich her, daß er stolpert und gegen die Tür fällt. Hinter sich hört er schnelles Fußgetrappel.

Die dürfen uns nicht sehen.“ Bartholomäus hämmert gegen die Tür.

Ein vorsichtiger Spalt öffnet sich. Bartholomäus fackelt nicht lange, drückt die Tür auf und zieht Thaddäus mit sich in den dunklen Raum dahinter, schließt die Tür, lauscht.

Das Fußgetrappel wird lauter.

Wenn die uns hier finden, sind wir geliefert.“

Schhh!“ Mit dem Zeigefinger vor dem Mund schaut Bartholomäus Thaddäus scharf an.

Die Geräusche draußen werden leiser.

Da haben wir noch mal Glück gehabt.“

Glück? Du warst einfach zu langsam. Wer weiß, was die mit uns gemacht hätten.“

Hört auf euch zu streiten. Das hilft doch niemandem.“ Simon hat das gesagt. Der, den Jesus immer Petrus genannt hat. Der Fels.

Bartholomäus blickt auf und erstarrt. Da steht ein Fremder zwischen den ehemaligen Jüngern. Ihre Blicke treffen sich und Bartholomäus schnappt nach Luft. Kann das wirklich sein? Die Frauen berichteten davon.

Friede sei mit euch!“

Jetzt werden auch die anderen aufmerksam, erschrecken, rücken ab von dem Mann, als hätte er Aussatz. Langsam sickert die Wahrheit auch in ihren Geist.

Er zeigt seine Hände und die Seite, wo der Soldat prüfend seinen Speer hineingestoßen hatte. Tatsächlich. Er ist es. Kein Zweifel. Aber wie?

Da hört er wieder die Stimme, die zugleich sanft wie ein Säuseln und machtvoll wie ein Donner klingt:

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannes 20,21)

Bartholomäus versteht endlich, was Jesus die ganze Zeit sagen wollte. Es war nie darum gegangen, die Herrschaft zu erringen über Jerusalem oder Cäsarea. Nicht stark sein, sondern schwach. Den Kreislauf der Gewalt und der Ausgrenzung endlich durchbrechen. Die Waffen hinschmeißen, damit der andere es auch kann. Dadurch kommt Gott ans Ziel und neues Leben entsteht. Im wörtlichen Sinne: Jesus steht ja vor ihm, auferweckt vom Allerhöchsten.

Als hätte jemand einen Schleier von seinen Augen gezogen, sieht er klar wie nie zuvor. Genau das wird die Aufgabe sein: Die Botschaft des Lebens zu verbreiten.