Ich sehe nichts

Als ich etwa 9 Jahre alt war, brachte ein Schulkamerad ein Modellauto mit. Matchbox hießen die damals. Kleine Autos aus Metall so groß wie eine Streichholzschachtel. Er behauptete, hinter dem Steuer sitze ein Mann und lenke das Auto, wenn man es über den Asphalt flitzen läßt.

Laß mich mal sehen“, sagte ich. Der Schulkamerad ließ mich nur kurz durch die winzige Windschutzscheibe hineinschauen, und schon ließ er es wieder über den Asphalt rollen. Ich konnte in diesem kurzen Moment nicht viel erkennen. Ich war nicht sicher, ob da wirklich jemand hinter dem Steuer sitzt.

Ich seh‘ nichts“, antwortete ich damals. „Da ist doch niemand.“

Die anderen Schulkameraden machten bei dem Spiel aber mit und behaupteten ebenfalls, den Mann hinter dem Steuer gesehen zu haben. Das verunsicherte mich, den Neunjährigen: Hatte ich mich verguckt? Saß da vielleicht doch jemand? Bin ich der einzige, der diesen winzigen Fahrer nicht sieht?

Über den Glauben kann man ähnliche Diskussionen führen. In unserer säkularen Welt glauben viele Menschen nur noch das, was sie sehen können. Sie finden es merkwürdig, an Gott zu glauben, den man weder sehen noch anfassen noch begreifen kann. Mit folgendem Vers hätten sie ihre Schwierigkeiten:

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Glaube hat zunächst mit Zuversicht zu tun und mit Hoffnung. Wir hoffen auf Gottes heilsamen Einfluß in unserem Leben. Wir sind zuversichtlich, daß Gott uns ansieht und hört. Wir öffnen uns für seine Gegenwart und machen Erfahrungen mit ihm, die wir berichten können. Viele Menschen halten diese Erfahrungen für die Behauptung, hinter dem Steuer des Matchbox-Autos sitze ein imaginärer Fahrer: Reine Einbildung.

Eine Sache ist aber keine Einbildung, die für jedes Leben gilt: Vertrauen. Man sagt zwar: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.“ Aber ohne das Vertrauen auf den Busfahrer, der uns sicher durch den Straßenverkehr lenkt, das Vertrauen auf den Arzt, der uns untersucht, geht es nicht. Vertrauen ist ein anderes Wort für Glauben. Jeder Mensch glaubt. Die Frage ist nur, woran: An den Halt in der Familie, die Macht des Geldes oder die eigenen Fähigkeiten das Leben zu meistern. So manches davon entpuppt sich im Laufe der Zeit als Irrglaube. Man beginnt zu zweifeln, ob Geld wirklich alles kaufen kann, die Familie diesen absoluten Halt bieten kann, den man sich versprochen hat. Doch worauf soll man dann vertrauen?

Unser Autor schlägt vor: Auf Gott und auf den, der ihn uns vorstellt. Jesus Christus. Er lebt dieses Vertrauen auf einen Gott der sich zuwendet und Frieden schafft. Sehen kann man ihn nicht, den Frieden oder die Liebe Gottes, die sich überall dort ausbreitet, wo man auf ihn vertraut. Man spürt aber die Wirkung. Gottes Liebe ist wie der Sonnenstrahl, der das Grau der Nacht vertreibt und die Welt in bunte Farben hüllt.